Beispielstour 2 Personal Training

 

Gast Michael mit seinem Zielfisch: Zander.Kurz vor Ende November begleitete Guido von Lucky Lures noch einmal in den Niederlanden einen begeisterten Hechtangler, der schon seit Jahren am Vänern-See in Schweden diesem Raubfisch sehr erfolgreich gezielt nachstellt.

 

Michael hatte es sich zum Ziel gesetzt einmal einen schönen Zander zu fangen und so war um diese Jahreszeit natürlich die Angelmethode und das richtige Gewässer für eine erfolgreiche Erfüllung dieses Wunsches schnell gefunden: Vertikalangeln am Hollands Diep und Haringvliet. Michael ist beruflich sehr eingespannt, und so waren beide froh, dass ein geeigneter Termin gefunden werden konnte.

 

Gierige Zander saugen Gummifisch fast vollständig ein.Beim Testfischen tags zuvor schienen die Bedingungen noch nicht optimal. Das Wetter war entgegen der Wettervorhersage doch noch recht stürmisch und wegen der Windrichtung parallel zum Uferverlauf gab es kaum Gelegenheit ein windgeschütztes Plätzchen zu erwischen. Etwas stromaufwärts am Hollands Diep fand sich aber eine Stelle, die sich in den Vorjahren an kälteren Wintertagen schon öfter bewährt hatte. Und auch diesmal war diese Stelle wieder ein Volltreffer. Der Minn-Kota-Motor musste zwar richtig ackern, um die richtige Drift für eine effektive Köderführung zu erzielen. Da aber der E-Motor am Bug des Bootes montiert ist, war die Kontrolle des Bootes kein Thema. Es nahmen von Anfang an zahlreiche Zander die Köder, darunter alleine drei stattliche Exemplare zwischen 60 und 70 Zentimetern.

 

Barsche beim Vertikalangeln? Nicht ungewöhnlich.Als Jig-Head kamen bei diesen eher harten Bedingungen relativ schwere Gewichte zwischen 28 und 30 Gramm zum Einsatz. Die Form der Jigs war dabei egal, sowohl Erie-Jigs, als auch Rundbleiköpfe wurden gleichermaßen heftig attackiert. Bei der Köderauswahl waren die Stachelritter ebenfalls nicht wirklich wählerisch. Kleine und große Gummifische wurden sehr aggressiv genommen und teilweise fast vollständig eingesaugt. Insgesamt liefen an diesem Tag die No-Action-Shads etwas besser als diverse Gummifische mit Schaufelschwanz. Die Farben waren an diesem Freitag mehr oder weniger egal, es lief einfach rund. Der überwiegende Anteil der Bisse erfolgte in Tiefen zwischen 8 und 10 Metern. Über den Tag verteilt konnten so etliche Zander zur Oberfläche gebracht werden. Schließlich war auch ein Großhecht von weit über einem Meter dabei. Er vergriff sich an einem Gummishad. Der starke Wind trieb das Boot über eine steile Klippe hinweg von 8 auf etwa 4,5 Meter Tiefe. Der erste Gedanke ging daher in Richtung Hänger, bis dieser Hänger anfing sich zu bewegen und dumpfe, 

Schöne Barsche im Hollands Diep.

schwere Schläge zu spüren waren. Nach geraumer Zeit konnte eine stattliche Hechtdame zur Oberfläche gebracht werden. Ein Mordsbengel. Für Hechte gilt in diesen Gewässern eine strikte Regelung für ein schnelles und schonendes Zurücksetzen, was für Guido nicht nur dort sowieso selbstverständlich ist.

 

Das waren natürlich beste Voraussetzungen für Michael, der aus dem Raum Gießen anreiste mit Guido am nächsten Morgen auf Tour zu gehen. Bevor es auf´s Wasser ging führte Guido Michael erstmal in die fremde Materie des Vertikalangelns ein. Er begann als Einstieg mit den Funktionen einer Baitcastingrolle bis hin zu Details, wie eine richtige Montage des Köders aussieht, was bei der Köderführung zu beachten ist und wie wichtig gutes Fluorocarbon als Vorfachmaterial ist, besprochen.

 

Natürlich wurde zunächst einmal die Stelle angesteuert, an der es am Vortag Biss auf Biss gab. Schon nach einer Nacht zeigte sich dort ein ganz anderes Bild. Der Wind dümpelte schwach vor sich hin und das Echolot zeigte so gut wie keinen Fisch an. Testweise wurden die Gamakatsu-Jigs dort zu Boden gelassen und Guido zeigte Michael wie man den Köder verführerisch über Grund führt und wie wichtig eine gute Vertikalrute mit einer feinen Spitze ist, um genau zu erkennen, was der Köder gerade der unten macht bzw. was gerade mit ihm gemacht wird. Dazu eignen sich ruhige Wetterverhältnisse ganz Zander auf Zander: ein schönes Gefühl.besonders und so machte es Michael einen Riesenspaß dieses Wissen in der Praxis an diesem schönen und sonnigen Tag aufzusaugen. Jetzt hieß es Vertrauen in diese Angelmethode zu gewinnen. Und ohne Fische, die sich für den Köder interessieren, ist das schwer. Guido beschloss also, einen neuen Hot-Spot zu suchen. Auf der mitgeführten Gewässerkarte konnte Guido gut zeigen, woran man gute Zanderstellen erkennt. Sie machten dann zusammen eine geeignete Stelle aus und suchten diese mit dem Echolot ab, um zu schauen, ob sich dort grundnah etwas tut.

 

Gar nicht so weit weg von der Brücke von Numansdorp wurden so stattliche Fischsicheln genau in der richtigen Tiefe gefunden und es dauerte nicht lange, bis Guido den ersten Zander überlisten konnte. Als Michael sah, dass das mit dem Vertikalangeln wirklich klappt, spürte man direkt, wie in ihm das Vertrauen wuchs und mit dem Vertrauen die Lust auch einen Zander an den Haken zu bekommen. An diesem Tag war es aber nicht so einfach diesen Raubfisch dazu zu verleiten, die angebotenen Köder zu schnappen.

 

Es gesellten sich zwar weitere Bisse hinzu, aber sie waren allesamt extrem vorsichtig und ließen eher auf ein Revierverteidigungsverhalten, als auf einen Willen zur Nahrungsaufnahme schließen. Langsam wurde es dunkel und Guido steuerte das beleuchtete Boot durch die Dunkelheit in den Althafen von Willemstad. Er hatte dem Hafenmeister Hans bereits per Mail seine Ankunft angekündigt. Aber Hans war schon nicht mehr da und so suchten sich die zwei ein schönes Plätzchen aus und machten dort das Boot fest. Vollbepackt mit Taschen und Angelutensilien machten sich die beiden auf in ihr gebuchtes Hotel und checkten dort ein. Nach einer schönen warmen Dusche ließen die zwei den Abend bei den vorbestellten Muscheln im Tomaten-Knoblauch und ein paar Bierchen anliegenden Restaurant ausklingen. Lecker. Dabei ergab sich die Gelegenheit, dass Guido die Fehler, die er bei Michael ausmachen konnte, zu besprechen. Insbesondere der Zeitpunkt des Anhiebs und die Ausführung des Antriebs wurden noch eingehend erörtert, was der Vorfreude auf den kommenden Tag zusätzlichen Auftrieb gab. Die lange Anreise steckte Michael noch einen Knochen, so dass die beiden frühzeitig schlafen gingen, um möglichst ausgeruht früh ans Wasser zu können.

 

Sonnenuntergang am Hollands Diep.

 

Am nächsten Morgen ging es dann nach dem Frühstück direkt wieder zum Boot. Die Ruten wurden klar gemacht und Guido schlug vor, es im Haringvliet weiter zu versuchen. Diese Wahl stellte sich als echter Volltreffer heraus. Nach und nach wurde immer deutlicher, , dass die Kombination eines Rundkopf-Jigs von Gamakatsu in 20 Gramm zusammen mit einem King Shad in Gold-braun-glitter mit Angsthaken die beste Montage an diesem Tag war. Alles andere lief weniger gut. Leichtere oder schwerere Bleie brachten kein Ergebnis und auch andere Köder, ja sogar andere Farbmuster des King-Shads wurden verschmäht. Die beschriebene Erfolgsmontage blieb hingegen konstant ein echter Knüller. Ideal für einen Einstieg ins Vertikalangeln und beste Voraussetzungen Michael alles für ein eigenständiges Angeln an die Hand zu geben.

 

Driftsack nicht nur für´s Vertikalen gut.Guido ließ das Boot ohne E-Motor und ohne Driftsack immer über die besten Stellen treiben, der Wind war perfekt. Bei einer Driftgeschwindigkeit von 0,5 bis 0,8 km/h stieg pro Drift mindestens ein Zander ein. An diesem Tag konnten so etliche Zander gedrillt werden. Drei Stück zwischen 65 und 70 Zentimeter (!) waren auch dabei. Und diesmal auch zwei schöne Barsche um die 40 Zentimeter. Alle Fische bissen in Tiefen zwischen 7 und 10 Metern. Michael konnte an diesem Tag gleich zwei persönliche Bestmarken neu setzen: eine für Barsch und eine für Zander.

 

Da das Angeln so kurzweilig war, verging der Tag wie im Flug und den einmal gefundenen Angelbereich hatten die zwei dabei so gut wie nicht verlassen. Andere Angler hatten leider offensichtlich weniger Erfolg. Sie gesellten sich öfter dazu, gaben dann irgendwann entnervt auf und zogen weiter. Sie machten aber auch den Fehler immer auf einer Stelle zu fischen und mit dem E-Motor andauernd gegen die Kräfte der Natur zu wirken.

 

Die zwei steuerten kurzzeitig testweise auch andere Stellen an. Hier konnten sie dann sogar zwei schöne Zander gleichzeitig drillen. Die Tiefe rutschte dort aber an mehreren Kanten zu stark ab, so dass die Gefahr zu groß war, zu tief zu fischen. Die meisten Räuber nahmen die Gummishads sehr gierig. Ein Angsthaken wäre überwiegend gar nicht nötig gewesen. Die Zander schlugen sehr plötzlich Guido mit schön gezeichnetem Barsch vom Haringvliet.und ohne Ankündigung voll rein und auch ihr Drillverhalten konnte man eher als agil und lebhaft bezeichnen, was für Zander nicht die Regel ist. Den Abend ließen Michael und Guido dann im hoteleigenen Restaurant mit bester Laune ausklingen.

 

So ein ereignisreicher Tag hinterlässt leider auch Spuren bei den vorbereiteten Köder-Montagen. Daher bot es sich an, vor der Ausfahrt am nächsten Morgen wieder die Köder so weit vorzubereiten, dass sämtliche Gewichte und Bleikopf-Formen der Jig-Heads zur Verfügung stehen. Auch zeigte Guido welche Knoten sich bei welcher Hauptschnur und bestimmten vor Fachmaterialien besonders gut eignen.

 

Wie unterschiedlich das Angeln an zwei aufeinander folgenden Tagen sein kann, zeigte sich dann wieder am Montag. Natürlich steuerten die zwei wieder die bewährte Stellen vom Sonntag im Haringvliet an. Aber das Echolot ließ schon nichts Gutes vermuten und das Angeln gestaltete sich ungleich zäher, als am Vortag. Ein Zander stieg zwar auf einen King-Shad ein, aber sehr zaghaft. O.k., Michael hatte seine Schleppangeln am Haringvliet bei Königswetter.Zielvorgabe einen größeren Zander zu fangen, ja bereits übererfüllt und wollte dann unbedingt auch mal auf seinen Lieblingsfisch, den Hecht, Schleppangeln. Sie hatten dafür ein paar Castaic Real Baits zur Hand und wollten eigentlich dazu zum Volkerak wechseln, aber die Schleuse war wegen Montagearbeiten vorübergehend geschlossen.

 

Links und rechts schnell einen Driftsack ausgebracht und schon konnte es losgehen. Obwohl der Motor von Guidos Boot 100 PS stark ist, konnten die zwei so sehr, sehr langsam mit einer Schleppgeschwindigkeit um die 2,5 km/h die Köder hinter sich herziehen, wobei einer mit einem Paravan auf Tiefe gebracht wurde. Die Wetterbedingungen konnten für´s Schleppen nicht besser sein, ein bisschen Wind und die Sonne verwöhnt die zwei durchgehend. Aber das Ergebnis war ernüchternd: zwei Stunden Schleppangeln = null Bisse. Für das Haringvliet sehr ungewöhnlich. Aber auf der Schleppstrecke waren den zweien vereinzelt starke Fische in absoluter Bodennähe aufgefallen. Das konnten durchaus Zander sein. So holten sie die Schleppruten ein und versuchten es wieder mit den Vertikalruten. Die dicken Brummer am Grund interessierten sich aber nicht für die Gummifische, die kurz über Grund ihren Dienst verrichteten. Unglaublich nur ein Tag zuvor hatte man das Gefühl, dass die Zander sich den Bauch vollgeschlagen haben, und jetzt war das Angeln eher harte Arbeit mit wenig Lohn.

 

Sichel: top Voraussetzungen für das Vertikalangeln.Guido beschloss dann es nachmittags nochmal im Hollands Diep zu versuchen. Und an der ausgewählten Stelle zeigte sich direkt jede Menge Fisch in Grundnähe. Wieder eine Top-Stelle. Es dauerte nur wenige Augenblicke, da ging es mit den Bissen wieder los und die ersten heftigen Attacken wurden direkt und ohne Umschweife über die geflochtene Schnur bis zur Angel übertragen und blitzartig war die volle Aufmerksamkeit wieder da. Hier konnte dann wieder Zander auf Zander überlistet werden. Es war wie verhext, die Zander waren einfach nur an einem anderen Ort.

 

Leider wurde es dann schon wieder jahreszeitbedingt sehr früh dunkel und Guido, der sein Boot nicht in Willemstad trailerte, musste noch vor Einsetzen der Dunkelheit zurück zu seinem Hafen und dort das Boot aus dem Wasser slippen. Das macht im Dunkeln nicht wirklich Freude. Also verabschiedeten sich die zwei herzlich im Hafen von Willemstad. Durch diesen gelungenen Schlussauftakt wurde die Tour von Michael und Guido nochmal gekrönt und für Michael bleiben die gewonnen Eindrücke und Erfahrungen unvergessen.

 

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