North Thompson River (Kanada)

 

Bullriding in Nordamerika


Mit Kanada verbinden die meisten Angler schwere und kampfstarke Lachse. So ist es kein Zufall, dass dort auch überwiegend den Lachsen nachgestellt wird und andere Fischarten ein Schattendasein führen. Dabei lohnt sich unseres Erachtens hier ein Blick über den Tellerrand. Wir bereisten im August die Gegend von British Columbia und es zog uns dort zu einem Fluss, in dem nur wenige Lachse aufsteigen: dem North Thompson River. Dieser ungezähmte Fluss schlängelt sich von den Gletschern der Rocky Mountains abwärts in Richtung Pazifik und hat daher überwiegend noch die typisch milchige Einfärbung von Sedimenten, die von den Bergen abgetragen werden.


Bull Trout, North Thompson River. Bull Trouts sind wahre Schönheiten.

Dort lebt ein Raubfisch, den man in Europa kaum kennt, der einem aber unvergessene Drills bietet und mit dem du deine Grenzen und die deines Angelgerätes ausloten kannst: die Bull Trout. Es gibt zwei Formen dieses Saiblings, ein Teil dieser Fische steigt zum Laichen die Flüsse hoch und der andere Teil ist standorttreu. Die aufsteigenden Bull Trouts wachsen zu wahren Riesen heran und Gewichte um die 15 bis 20 Pfund sind nicht ungewöhnlich. Die Bull Trout macht auf alles Jagd, was essbar ist, und jeder Fisch der kleiner ist als sie selbst, ist potentielle Beute. Juli und August sind sehr gute Monate, um unvergessliche Drills mit diesen Prachtburschen zu erleben.


Bull Trout, North Thompson River. Das ist eher ein ganz kleiner.Die kapitalen Vertreter der Bull Trouts lauern vor allem in großen Pools und Vertiefungen auf Ihre Beute. Gute Kenntnisse des Gewässers entscheiden daher über Erfolg oder Misserfolg. Uns begleitete Guide Dennis. Er ist im Raum von Clearwater aufgewachsen und kennt diese Gegend, wie seine Westentasche. Um 7:00 Uhr morgens holte er Guido ab und nach einer endlos erscheinenden Fahrt mit seinem Pickup erreichten wir seine Lieblingsstellen, die überwiegend nur über längere Fußwege zu erreichen waren. Guido angelte mit einer Spinnrute und einer kleinen Stationärrolle mit geflochtener Schnur. Dennis bevorzugte eher lange kräftige Ruten mit monofilen Schüren mit einer etwas höheren Tragkraft. Bereits nach zwei Würfen hatte Guido seine erste Bulltrout am Haken. Sie fiel auf einen leicht gejiggten weiss-schwarzen Gummifisch mit Schaufelschwanz von Storm herein. Nach kurzer Zeit kam eine wunderschöne 60 cm Bull Trout zu Tage, die sofort wieder schonend zurück gesetzt wurde. Es war August und daher galt für sie gerade Schonzeit. Catch & Release war also angesagt. Nachdem die Bisse zaghafter wurden, blieben sie einige Zeit später ganz aus. Dennis erklärte, dass eine gejiggte Köderführung nicht gut sei. Besser wäre es, den Köder gleichmäßig kurz über Grund zu ziehen. Der Gummifisch setzt dabei sowieso wegen der Grundstrucktur und der Strömung gelegentlich auf einzelnen Felsen auf.

Bull Trout, North Thompson River. Diese Saiblinge machen schon richtig radau.

Guido setzte den Tipp direkt um und konnte bereits nach kurzer Zeit einen Anhieb setzen und befand sich unversehens in einem Kampf mit einem Giganten. Nach einem längeren Drill setzte sich der Fisch unterhalb eines Felsens fest, der vom Ufer aus ins Gewässer ragte. Nach endlos erscheinenden Minuten konnte Guido den Fisch dazu bewegen, diesen kritischen Ort zu verlassen und nach einer Weile gab der Fisch langsam auf, so dass wir den Fisch unmittelbar vor uns am Ufer dicht unter der Oberfläche gut erkennen konnten. Dennis murmelte aufgeregt etwas von einem "sixteen-pounder" vor sich hin und da riss, obwohl gar keine große Spannung mehr aufgebaut war, ganz unvermittelt die Schnur und der Fisch war weg. Wie sich später heraus stellte, wurde die Schnur bei der Flucht des Fisches unter den Stein beschädigt und riss dann schließlich. Unsere Knie zitterten und wir brauchten eine Weile uns davon zu erholen. Weitere Bisse blieben aus und wir wechselten die Stelle.


Bull Trout, North Thompson River. Hier lauern Bull Trouts auf Beute.

Wir versuchten unser Glück unterhalb eines wild tosenden breiten Flussabschnitts, der zwar nicht so viele tiefen Gumpen aufwies, aber dafür quer zum Fluss eine natürliche Hürde aus Stein und Fels aufwies, vor dem sich das Wasser staute. Hier standen viele größere Bull-Trouts und wir konnten gleich mehrere Fische von 5 bis 10 Pfund überlisten. Sie stiegen zusätzlich zum Gummifisch auf  18 Gramm schwere CROC-Blinker von Gibbs-Delta ein. Beim Auswerfen musste man die Strömung so berücksichtigen, dass die Köder etwa zur Mitte vor die Felskette getrieben wurden und sie sich nicht am Boden festsetzen konnten. Dann zirkelten wir die Köder durch die etwas tieferen Gewässerpartien quer zum Flussverlauf und bekamen so Biss auf Biss. Ein fantastisches Erlebnis.

Hier gelang es Dennis auch noch einen Königslachs an die Angel zu bekommen, was wohl dort nicht sehr häufig vorkommt. Nach einem längeren Drill konnte Dennis ihn ans Ufer bewegen, den Köder lösen und ihn schonend zurück setzen. Auf unserer Rückfahrt zauberte Dennis dann noch Sandwitches mit selbst gefangenem Lachs, kühle Getränke und selbst gemachte Wurst aus Gänsefleisch aus dem Ärmel. Zum Essen und Trinken waren wir vor "lauter, lauter" gar nicht gekommen.

Wer also auch einmal eine Bulltrout am Haken haben möchte, für den sollte ein Angeltrip mit Dennis die erste Wahl sein.



Empohlene Angelmethoden:



Empfohlene Ruten:



Empfohlene Rollen:


 

Empfohlene Köder:



Empfohlenes Equipment: