Beispielstour 1 Personal Training

 

Zander beim Personal Training Dezember 2017.Nachdem ein Testfischen im November 2017 gezeigt hat, dass die Zander mittlerweile schön tief stehen und das Vertikalangeln jetzt endlich richtig losgeht, war es schwer abzuwarten, bis sich eine konstante Wetterlage mit wenig Wind abzeichnete.


Für das erste Wochenende Anfang im Dezember wurde für mehrere Tage schwacher westlicher Wind gemeldet. Auch die Bewölkung und Regen, so wurde zumindest berichtet, sollten mitspielen: es sollte sich sogar etwas Sonne blicken lassen und nur für den Sonntag wurde etwas Regen gemeldet. Was wir da noch nicht wussten: die Sonne würde es nicht dauerhaft schaffen, den auftretenden Nebelfeldern etwas entgegenzusetzen.


Perfekt ausgestattet für Vertikalangeln: Uttern S55 mit 100 PS.Jürgen, ein Unternehmer aus dem Bamberger Raum, wollte unbedingt das Vertikalangeln erlernen und wartete geduldig auf diesen Zeitpunkt. Guido verabredete sich mit ihm an der Trailerstelle in Willemstad. Jürgen reiste schon einen Tag vorher mit seinem Wohnmobil an und brachte auch sein eigenes Alu-Boot mit, um zu lernen, wie er mit diesem Boot ganz alleine den Zandern und Barschen auf die Pelle rücken kann. Für das Vertikalangeln an sich ist dieses Boot bestens geeignet, da im Bugbereich ein Elektromotor Xi5 von Motor Guide installiert ist und das Boot auch über einen HDS 7 von Lowrance verfügt. Das Boot von Jürgen hat als Antriebsmotor einen Torqeedo E-Motor. Um schnell zu den einzelnen Hotspots der riesigen Wasserflächen des Hollands Dieps und Haringvliets zu kommen, ist ein solcher Elektromotor einfach zu schwach. Daher kamen Jürgen und Guido überein, dass auch Guido sein Boot zum Personal Training mitbringen sollte, und in der Nähe von Wilmstad dann mit Jürgens Boot geangelt wird und ansonsten mit dem perfekt für das Vertikalangeln ausgestatteten 100-PS-Uttern von Guido.


Zielfisch Nummer 1 beim Vertikalangeln: der Zander.Am Freitag Morgen trafen sich die beiden dann und setzten sich zunächst in das gemütliche und schön warme Wohnmobil von Jürgen. Guido erklärte Jürgen die wichtigsten Dinge die man für das Vertikalangeln wissen muss und dann sollten die ersten Erfahrungen auf dem Wasser angegangen werden.


Ziel war zunächst der obere Teil des Hollands Diep, wo Mitte November die Fische gut gebissen hatten. Als die beiden aus dem Hafen herausfuhren waren die Sichtbedingungen noch relativ klar. Je mehr es stromaufwärts ging, umso mehr verschlechterte sich auch die Sicht, bis die beiden in relativ dichte Nebelfelder hineinsteuerten. An der anvisierten Stelle im Hollands Diep angekommen, war dort eine so starke Strömung, dass an ein sinnvolles Angeln in Grundnähe nicht zu denken war. Das ist letztlich davon abhängig, wann und wie weit die Schleusen zum Meer geöffnet werden und wie viel Niederschlag es im Vorfeld gab.


Jürgen genoss das Personal Training in vollen Zügen.Daher mussten sich die zwei näher zum Ufer hin bewegen, dort wo die Strömung stark abgeschwächt wurde. Wie sich zeigte, stiegen dort auch die ersten Zander ein. Jedoch war für einen Vertikalangeleinsteiger die Strömung noch zu stark, so dass es ohne Erfahrung schwer zu erkennen war, ob sich der Köder im richtigen Abstand zum Grund befand oder nicht. Selbst bei Gewichten der Jig Heads von 28 Gramm (!) und bei einer Anpassung der entsprechenden Drift des Bootes waren die Bedingungen für einen Einstieg in das Vertikalangeln selbst ufernah eher anspruchsvoll. Daher verzogen sich Guido und Jürgen wieder weiter stromabwärts in die breiteren Regionen des Hollands Dieps mit weniger Strömung. Hier bestanden dann bessere Möglichkeiten Jürgen zu erklären, wie der Köder am besten zu führen ist und wie man ein Gefühl dafür entwickeln kann, wann der Köder kurz über Grund steht, wann er ihn berührt und wann der Köder viel zu weit oben unkontrolliert im Wasser seine Bahnen zieht.


Mit Nebel ist immer dann zu rechnen, wenn die Wassertemperatur höher ist als die Lufttemperatur.In diesem Abschnitt des Hollands Dieps war zwar die Strömung besser, aber es bestätigte sich, was das Echolot von Beginn an zeigte: wenig Fisch. Wenn überhaupt, zeigte das Echolot gelegentlich freistehende vereinzelte Fische im Freiwasser an. Da es im Haringvliet spürbar ruhigere Abschnitte gibt, als im Hollands Diep und sich das Wetter und insbesondere die Sichtverhältnisse verbesserten je mehr man stromabwärts fuhr, ging es dann also ab zum Haringvliet. Dort kümmerte sich dann Guido besonders intensiv um Jürgen, damit er das Gefühl für das Vertikalangeln entwickelte. Denn ohne das richtige Gefühl bleibt der Erfolg beim Vertikalangeln eher aus. Je höher Guido mit dem Köder-Gewicht für Jürgen nach oben ging, je mehr entwickelte Jürgen das richtige Gefühl. Ganz zu Beginn des Haringvliets gab es dann schon erste Fischkontakte, bis es dann zunehmend dunkel wurde und die Rückfahrt nach Willemstad angetreten werden musste. Guidos Boot wurde, wie üblich, im alten Hafen an einem komfortablen Liegeplatz bis zum nächsten Morgen sicher vertaut.


Zander aus dem Hollands Diep sind prächtige Kerle.Am Abend trafen sich die beiden dann noch im Restaurant Bellevue, in dem selbst in den Herbst- und Wintermonaten immer im Vorfeld ein Tisch reserviert werden sollte, da dieses Restaurant einfach zu jeder Jahreszeit gut besucht ist. Dort ließen die beiden den Abend bei gutem Essen und dem ein oder anderen Bierchen entspannt ausklingen und besprachen, was Jürgen noch tun kann um seine Köderführung zu verbessern. Am nächsten Morgen trafen sie sich sehr früh, um zunächst einmal den Theorie Teil, der tags zuvor etwas zu kurz geraten war, nachzuholen und dann die verbleibende Zeit an diesem Tag für das Angeln noch bestmöglich ausnutzen zu können. Vorausgesagt war, dass sich an dem Samstag so ab 10:00 Uhr die Wolken und der dann doch aufziehende Regen verziehen sollten und es einzelne Sonnenabschnitte geben sollte.


Hat man einmal den Bogen beim Vertikalangeln raus, kommt Freude auf.Dem war aber nicht so. Die Nebelgebiete über dem Hollands Diep und Haringvliet lösten sich den ganzen Tag nicht auf und es gab insgesamt keine gute Sicht, was ein Ansteuern und schnelles Wechseln zu den einzelnen Hotspots nur mit langsamer Fahrt möglich machte. Stellenweise konnte man in einer dicken Suppe keine 20 Meter weit sehen. Da ist dann ein AIS Positionssystem Pflicht. Es ist bei Nebel besonders wichtig zu wissen, welche Berufsschiffe sich wo befinden, vor allem dann, wenn man das Fahrwasser passiert. An diesem Morgen war eine Veränderung des Beißverhaltens der Fische spürbar. In Tiefen zwischen 6 und 8 Metern wurden die Gummiköder stark attackiert und die Gummifische komplett inhaliert. Es dauerte nicht lange, da hatte auch Jürgen endlich seinen ersten Zander am Haken. Das schaffte bei Jürgen das nötige Vertrauen und er konzentrierte sich immer und immer mehr nur auf das Fischen und er merkte zunehmend, was da unten in Ködernähe wie passierte.


Zander standen im Dezember 2017 in Tiefen zwischen 8 und 10 Metern.Jürgen bekam den Bogen beim Vertikalangeln immer mehr raus und konnte gleich mehrere Zander an die Wasseroberfläche bringen. Dies hatte natürlich nicht nur Einfluss auf das Zutrauen in diese geniale Angelmethode sondern die Laune im Boot wurde immer ausgelassener. Jürgen wollte schon gar keine Fotos mehr machen, um so mehr Zeit für das Angeln zu haben. Da der Tag so gut verlief, probierte Guido auch einige Köder von Jürgen aus, die er sich bei einem Trip nach Amsterdam zugelegt hatte. Dabei war auch ein Gummifisch mit einer sehr bauchigen Form und einer besonders interessanten Farbgebung in hellen Pastelltönen bis hin ins Bräunliche und einer sehr voluminösen Gestalt von insgesamt etwa 15 cm Länge. Bei diesem Köder stieg bei Guido dann ein riesiger Zander ein, der sich einige Zeit ließ, bis er sich das erste Mal zeigte. Der Angsthaken hielt nur ganz vorne an der äußersten Spitze des Mauls und so war es besonders wichtig, die Spannung der Schnur nicht einmal eine Zehntelsekunde zu verlieren. Es half aber alles nichts, der Fisch schüttelte kurz unterhalb der Oberfläche den Kopf so wild hin und her, dass sich der Angsthaken löste und der Fisch noch kurz seine Flanke zeigt und dann verschwand. Trotzdem ein wirklich schöner Moment. Der sicherlich auch dazu führen wird, dass Guido diesen Ködertyp in Zukunft genauer unter die Lupe nehmen wird.


Am Sonntag, den 03.12.2017, ging es mit Jürgens Boot auf das Hollands Diep.Einen so schönen Angeltag muss man abends natürlich entsprechend schön ausklingen lassen. Die Speisekarte im Bellevue wurde zwar leider abgeändert und es gab nicht mehr die herrlichen Muscheln in Tomaten-Knoblauch-Sauce, aber die Alternativgerichte trösteten über diesen schmerzlichen Verlust hinweg. Auch das ein oder andere frisch gezapfte Bierchen bzw. - in Jürgens Fall - leckere Weinchen tat sein Übriges. Die Wetterbedingungen für den kommenden Tag wurden wieder mal laut Internet als gut dargestellt. Fast gar kein Wind wurde gemeldet und auch die Sichtverhältnisse sollten sich auch verbessern. Beste Bedingungen also, um diesmal mit dem Boot von Jürgen die vielversprechenden Stellen im Haringvliet anzusteuern. Am Sonntagmorgen kurz nach der Morgendämmerung war der Andrang von anderen Booten äußerst gering. So konnte in Ruhe das Boot für die letzte Tagestour vorbereitet und ins Wasser gelassen werden. Bei Jürgens Angelboot handelt es sich um ein in Polen gebautes Rettungsboot, welches an Robustheit und Stabilität wohl kaum zu überbieten ist. Bei diesem Boot wurde durchweg fünf Millimeter starkes Aluminium-Blech verschweißt. Man musste also bei diesem Boot auf überhaupt nichts aufpassen und man konnte es einfach auf die Steine im Uferbereich draufziehen, einsteigen und dann losfahren.


Torqeedo E-Außenbord-Motor für große Strecken nicht zu empfehlen.Beim Fahren mit einem Torqeedo als Antriebsmotor muss man allerdings schon etwas Geduld aufbringen, um die weiten Strecken in diesem Angelgebiet zurückzulegen. Besonders vorsichtig muss man sein, soweit man das Fahrwasser der Berufsschifffahrt quert. Ein schnelles Ausweichen ist mit dieser Antriebsmethode nur eingeschränkt möglich und auch der Energieverbrauch, der prozentual angezeigt wird, sollte stets im Auge behalten werden, damit die Rückfahrt komplikationslos verläuft. Die Geräuschkulisse ist demgegenüber bei dem Einsatz eines Torqeedo Elektromotors super angenehm. Der Motor schnurrt leise vor sich hin und das wiederum führt bei längeren Strecken zu den jeweiligen Hotspots dazu, dass man gerne mal vor sich hin träumt. Im Haringvliet angekommen, wurden direkt die guten Stellen vom Vortag anvisiert und es dauerte auch nicht lange, bis Jürgen seinen ersten Zander am Haken hatte.


Bisher hatte Guido die Drift des Bootes kontrolliert. An diesem Tag sollte Jürgen auch diesen Part übernehmen. Soweit man an die Steuerung eines Minn Kota Elektromotors gewöhnt ist, fällt die Umstellung auf einen Motor Guide doch schwer. Die Anzeige zum Elektromotor findet sich auf dem Bildschirm des Lowrance Echolotes und wenn einmal eine automatische Steuerung über GPS eingestellt wurde, passiert es immer wieder, dass der Motor, auch wenn man es nicht mehr will und längst davon ausgeht, dass diese Einstellung nicht mehr da ist, ein gewisses Eigenleben entfaltet.


Ziel des Personal Trainings: Kunde ist selbst beim Vertikalangeln erfolgreich.Jürgen merkte schnell, dass es für den Weg von der Theorie bis zum eigenen Steuern des Bootes vor Ort vor allem eines erfordert: Übung. Wechselnde Windverhältnisse aus unterschiedlichen Windrichtungen und mit unterschiedlichen Stärken insbesondere mit Böen gepaart mit diversen Strömungsrichtungen und -geschwindigkeiten machen es gar nicht so einfach, das Boot erstens mit der richtigen Geschwindigkeit zu steuern und zweitens dabei auch noch die vielversprechenden Stellen abzudriften. Auch muss man sich daran gewöhnen, mit der einen Hand die Handsteuerung zu bedienen, mit der anderen Hand die Vertikalrute zu halten und den Köder zusammen mit dem richtigen Einsatz der Rolle gut zu führen und wenn dann noch ein Biss hinzukommt, den Fisch trotzdem sicher an die Oberfläche zu bringen.


Untermaßig = Catch & Release.Jürgen merkte, wie schnell man von der richtigen Köderführung abgelenkt wird, wenn man sich zu sehr auf die Drift des Bootes konzentriert. Letztlich ist das wie Fahrradfahren. Irgendwann denkt man nicht mehr darüber nach und die Steuerung des Bootes passt sich instinktiv an die jeweils vorliegenden Gegebenheiten an. Dabei ist es natürlich besonders vorteilhaft wenn der Elektromotor im Buchbereich montiert ist, wie das bei dem Xi5 von Motor Guide der Fall war. Da der Wind nachher sogar noch etwas auffrischte und auch Stellen befischt wurden, die teilweise windgeschützt lagen und dann plötzlich der gesamten Kraft des Windes auf das Boot ausgesetzt waren, sobald keine Bäume oder Ähnliches den Wind abmilderten, konnte sehr gut geübt werden, wie man mit dem Bug in Richtung des Windes einzelne Grundstrukturen gezielt auf Fische abgesucht werden konnten.


Da war‘s natürlich besonders toll, dass sich ab und an ein Zander in den abwechslungsreichen Grundstrukturen verborgen hielt und mit dem richtig geführten Köder zu einem Zupacken überredet werden konnte. Man merkte richtig, wie Jürgen Blut geleckt hatte und sich diebisch freute, den ein oder anderen Zander ganz alleine ohne fremde Hilfe überlisten zu können. Die Zeit verging wie im Flug und Jürgen ist jetzt ein weiterer Angler, der vom Vertikalangel-Virus befallen wurde. Die Guido und Jürgen mussten noch etwas früher Schluss machen, da sie noch im Hellen beide Boote trailern und zunächst das Boot von Guido im alten Hafen holen mussten. Für Jürgen war direkt klar, Kunde Jürgen nutzte die im Personal Training erworbenen Kenntnisse für einen 96 Zentimeter-Zander.dass das nicht die letzte Tour mit Guido gewesen sein sollte, und es wurden bereits erste Pläne geschmiedet, wann und wohin es gehen wird und welche Angelmethode zum Einsatz kommen soll. Nur wenige Wochen später erhielt Guido dann eine WhatsApp-Nachricht von Jürgen, der seine neu erworbenen Kenntnisse nun auf eigene Faust in deutschen Seen ausprobierte. Die Ergebnisse waren überwältigend. Jürgen erbeutete in wenigen Tagen gleich mehrere Zander, wobei er mit einem den Vogel abschoss:  ein 96 Zentimeter langer Gigant machte es Jürgen nicht leicht. Jürgen berichtete selbst noch eine Weile nach dem Fang noch von seinen zitternden Knien. Das war nicht nur eines schönes vorweihnachtliches Geschenk für Jürgen, sondern auch für Guido. Was gibt es für einen Personal Trainer Schöneres, als zu sehen, wie das Erlernte so erfolgreich umgesetzt wird.






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